32 ist das neue 40

– wie wir mit einer verkürzten Arbeitswoche ein Zeichen setzen wollen!

32 ist das neue 40

„Wenn früh am Morgen die Werksirene dröhnt und die Stechuhr beim Stechen lustvoll stöhnt“, dann wissen die Musikfreunde unter uns, was Geier Sturzflug im Jahr 1982 über die deutsche Arbeitsmoral dachte.
Seit der Erstveröffentlichung ihres Hits Bruttosozialprodukt haben sich die Zeiten gehörig verändert – eines jedoch ist im Großen und Ganzen gleich geblieben: die 40-Stunden-Arbeitswoche als Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Ist das aber wirklich noch zeitgemäß? Nicht bei uns!

Zum Einstieg verraten wir euch direkt ein Geheimnis: Das Märchen von der 40-Stunden-Woche ist maßlos beschönigt – die Realität ist viel schlimmer: Laut Statistischem Bundesamt lag die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von Vollzeit-Erwerbstätigen im Jahr 2016 bei 41,7 Stunden! „Das muss sich doch irgendwie optimieren lassen“, denkt sich Podigee-Mitbegründer Mati Sójka Anfang 2019 … und erinnert sich daran zurück, wie er bei seinem letzten Job mit einer Schweizer Agentur in Kontakt kam, in der alle auffällig ausgeglichen, locker und entspannt, aber auch professionell, höflich und zuverlässig waren.

Später stellte sich heraus, dass in jener Agentur nur an vier Tagen pro Woche gearbeitet wurde, was sich allerdings auch entsprechend in den Gehältern niederschlug. Mati Sójka war von diesem Konzept beeindruckt, aber als bei Podigee vor wenigen Wochen ebenfalls die 32-Stunden-Woche eingeführt wird, steht eines unumstößlich fest: Abzüge gibt es nicht bei Gehalt oder Urlaub, sondern ausschließlich bei der Arbeitszeit!

Ist weniger mehr?

Der 8-Stunden-Arbeitstag feierte im vergangenen Jahr seinen 100. Geburtstag. Er ist eine Errungenschaft aus den Nachwehen des Ersten Weltkriegs – und war damals das vielbejubelte Ende eines jahrzehntelangen Kampfs um weniger ausbeuterische Arbeitsverhältnisse. Wir finden: Nach 100 Jahren ist dieses Arbeitsmodell definitiv reif für den Ruhestand! Anders als beispielsweise zu Zeiten des Wirtschaftswunders steht im Jahr 2019 hierzulande nämlich ein Großteil der Arbeiterinnen und Arbeiter nicht mehr am Fließband. Und selbst in Branchen, in denen das Fließband auf eine lange Tradition zurückblickt, suchen Unternehmen längst schon nach Alternativen.

Vorreiter in Sachen moderner Arbeitszeitgestaltung gibt es also zum Glück mittlerweile einige. Eine Studie der Stanford Universität belegt, dass wir dabei nicht den Fehler machen dürfen, „weniger Arbeitszeit“ mit „weniger Arbeitsleistung“ gleichzusetzen: Wer acht Stunden im Büro sitzt, brütet davon vielleicht zweieinhalb konzentriert über einem Projekt – der restlichen Arbeitstag besteht aus Koordination, Kaffee, Kommunikation … und anderen unproduktiven Zeitfressern. Nur, dass hier keine Missverständnisse entstehen: Die sozialen Aspekte des Arbeitslebens wollen wir ohne Abstriche beibehalten. Es geht uns nicht darum, Zwischenmenschliches aus dem Alltag zu verbannen, sondern stattdessen das Arbeitspensum insgesamt klüger und effizienter zu organisieren.

Im Berufsleben ist einer der größten Zeitkiller – und damit auch einer der besten Ansatzpunkte für Optimierung – die Beschaffung notwendiger Informationen. Gut für uns: Als durch und durch digitalisiertes Unternehmen arbeiten wir bei Podigee schon seit Anbeginn standort- und sogar zeitzonenübergreifend. Demnach haben wir bei all unseren Prozessen bereits großes Augenmerk auf zielgerichtete interne Kommunikation gelegt. Das heißt, wir müssen hierbei „nur“ noch ein kleines bisschen besser werden und unsere Aufgaben noch klarer priorisieren. Challenge accepted!

Das aktuelle Modell ist kaputt. Keine Angestellte und kein Angestellter ist 40 Stunden pro Woche produktiv. Warum auch? In den meisten Fällen wird er oder sie ja ohnehin nicht nach Arbeit, sondern nach Anwesenheit bezahlt. Dieses gesamtwirtschaftliche Problem werden wir nicht so ohne Weiteres lösen, aber wir setzen ein klares Statement in Sachen Produktivität und Eigenverantwortung: Statt 40 arbeiten wir nur noch 32 Stunden pro Woche. Ohne Abzüge. Ohne Kompromisse. Und vor allem ohne Kontrolle. Wir überprüfen nicht, ob unsere angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zehn Minuten zu viel oder zu wenig vor dem Rechner sitzen. „Ist doch wohl logisch“, erklärt der zweite Podigee-Gründer Ben Zimmer ganz pragmatisch. „Wenn wir ihnen nicht vertrauen könnten, warum hätten wir sie dann einstellen sollen?“ Auch in Sachen Urlaub gilt das Prinzip der Eigenverantwortung: Alle hier können mindestens 30 Tage Urlaub im Jahr nehmen – und bei Bedarf gerne auch mal mehr. So sollte unserer Meinung nach Work-Life-Balance im Jahr 2019 aussehen, auch wenn dieser Trend leider gerade in der Start-up-Welt noch nicht überall angekommen ist.

Produktivität = Arbeit pro Zeit

Wenn wir bei einem gleichbleibendem Arbeitspensum die dafür aufgewandte Zeit verringern, steigt automatisch unsere Produktivität. Was aber noch viel wichtiger ist: In gleichem Maße steigt auch die Arbeits- und Lebensqualität der Betroffenen. Die sind in der Folge weniger gestresst, besser gelaunt und deutlich kreativer, haben außerdem ein geringeres Burnout-Risiko und kommen stets topmotiviert zur Arbeit. Sie gehen insgesamt entspannter und freundlicher mit den Kunden und es bleibt ihnen am Ende mehr Zeit für Freizeitprojekte, aus denen sie wiederum neue Impulse für das Arbeitsleben mit ins Büro bringen.
Das sind alles Vorzüge, die wir von unserem 32-Stunden-Experiment erwarten – und die so oder so ähnlich bei den Pionieren auf diesem Gebiet beobachtet werden konnten. Nach wenigen Wochen mit dem neuen Arbeitszeitmodell fällt das Vorabfazit unseres ersten Angestellten Christopher schon mal durchweg positiv aus: „Viel hilft nicht immer viel. Ich arbeite lieber sechs Stunden intensiv, als acht Stunden abzusitzen. So habe ich abends mehr Zeit, selbst zu podcasten. Es ist schön, bei einem modernen Arbeitgeber zu arbeiten, der die Zeichen der Zeit erkannt hat!“

Ein voller Erfolg also?

Ganz ehrlich: Das ist ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Aber das war es auch, als wir uns im Jahr 2013 dazu entschlossen, eine Podcast-Hosting-Firma zu gründen. Zum Wohl unserer Mitarbeiter haben wir jedenfalls für die Zukunft mit Fahrrad-Leasing, Fitness-Abos und dergleichen noch viele weitere „experimentelle“ Ideen im Kopf – und wer weiß, vielleicht denken wir bald sogar über die 3-Tage-Woche nach? Einer Studie aus Down Under zufolge scheint die gerade für Arbeitnehmer jenseits der 40 ausgezeichnet zu funktionieren. Bis dahin wird bei Podigee aber erstmal „wieder in die Hände gespuckt“ – nur insgesamt eben etwas weniger lang als früher.

Wir hören uns!