Corona-Virus, Frauenrechte, Black Lives Matter – Podcastempfehlungen

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Im Jahr 2020 mangelt es nicht an Gesprächsthemen, die die Gemüter erhitzen. Wir zeigen euch, welche Podcasts kluge Einsichten und Denkanstöße zu den Themen Coronavirus, Frauenrechte und Black Lives Matter geben.

Eine Pandemie, die Gleichstellung von Mann und Frau, struktureller Rassismus – momentan treiben uns zahlreiche Themen um, auf die es nicht immer nur eine Antwort oder einfache Erklärungen gibt. Bei der Suche nach Antworten haben sich Podcasts längst als ernstzunehmendes Medium etabliert: Laut Digital News Report des Reuters Institute entscheiden sich die Hörenden immer häufiger für Podcasts, weil sie ihnen im Tagesgeschehen ein tieferes Verständnis als andere Nachrichtenformen geben.

Nicht immer muss dabei die Aufarbeitung bierernst sein: Wir stellen euch deutsche und englische Formate von nachrichtlich bis unterhaltsam vor, mit denen ihr die Themen Coronavirus, Frauenrechte und Black Lives Matter besser versteht.

Das Corona-Virus-Update & Co.

Nachrichtlich: Als das Coronavirus Anfang des Jahres das Weltgeschehen auf den Kopf stellte, war die Verunsicherung groß: Was wissen wir über das Virus, wie gefährlich ist es, wie können wir uns schützen? Ganz Deutschland suchte nach Antworten. Der norddeutsche Rundfunk ging für die Antworten direkt an die Quelle, nämlich zum Virologen Professor Christian Drosten. Seit dem 26. Februar bekommen wir jeden Tag die wichtigsten Nachrichten zum Virus von dem Mann, der das Erbgut des Virus entschlüsselt hat und die Bundesregierung berät. Die Downloads des Coronavirus Update schossen schnell so in die Höhe, dass sie die Podcast-Charts in Deutschland dominierten. Und kaum dass Professor Drosten aus einer kurzen Sommerpause zurück ist, rangiert der NDR-Podcast direkt wieder in den Top 3.

Ähnliche Konzepte verfolgten Medien rund um die Welt: Der australische Nachrichtensender ABC News sendet den Coronacast, die britische BBC das Coronavirus Global Update und der US-Sender CNN veröffentlicht mit Coronavirus: Fact vs. Fiction with Dr. Sanjay Gupta ein sehr ähnliches Format zum deutschen Drosten-Podcast.

Unterhaltsam: Hosts knöpfen sich den Lockdown und dessen gesellschaftliche Folgen vor. Daheim. Die Corona-Homestory nahm das Publikum von März bis Mai einfach mit in die Homestudios anderer Podcast-Hosts oder ins Leben von Hörerinnen und Hörern: Wie produziert man unter Lockdown Podcasts? Was macht Kontaktsperre mit Alleinerziehenden? Warum feiern Menschen Coronaparties? Moderator Florian Groh fragte einen bunten Gästereigen aus und sorgte ganz nebenbei für ein Gemeinschaftsgefühl, das die Quarantäne erträglich machte.

2020 sollte eigentlich nicht das Jahr des Coronavirus, sondern das Jahr der Frauen werden: In den USA jährt sich der 100. Jahrestag des 19. Verfassungszusatzes, mit dem Frauen das Wahlrecht bekamen. In Deutschland konnten wir das Jubiläum übrigens schon 2018 feiern, und seitdem gewinnen die Themen Frauenrechte und Feminismus gehörig Aufwind. In der Podcastwelt werden sie mittlerweile aus zahlreichen Blickwinkeln beleuchtet.
 

She Votes! und andere empowernde Formate zum Thema Feminismus

Historisch: Zum 100. Jahrestag des Frauenwahlrechts erzählen die beiden Journalistinnen Ellen Goodman und Lynn Sherr in She Votes! den Weg der US-Frauenbewegung vom Protest für gleiche Rechte bis zur Wahlurne. Auch die Moderatorinnen Retta und Rosario Dawson werfen in And Nothing Less einen Blick auf die Geschichte der Frauenbewegung und auf Verbindungen ins Hier und Jetzt. Aber warum immer nur auf die USA gucken? Mit der deutschen Frauenbewegung kennt Bianca Walther sich aus: In Die Geschichtsdolmetscherin erzählt sie ihrem Publikum von deutschen Vorreiterinnen und Aktivistinnen – angefangen bei Polizeikommissarinnen bis hin zu Frauenrechtlerinnen, die in bodenlangen Wollröcken durch Afrika und Indien reisten.

Unterhaltsam: Die brandaktuelle Seite von Frauenrechten thematisieren Isabel Rohner und Regula Stämpfli in ihrem Wochenrückblick Die Podcastin. Dort berichten sie über aktuelle Beispiele für sexistische Sprache, verkalkte Ansichten über Frauen und das Alter und über Doppelstandards zu Frauen als „Machern“ in Politik und Wirtschaft. Die Kanadierin Hannah McGregor nennt sich selbst „professional angry feminist“ und spricht mit Gästen in ihrem Podcast Secret Feminist Agenda darüber, mit welchem Mitteln sie ihre persönliche feministische Überzeugung im Alltag umsetzen und in die Welt tragen.

Journalistisch: Die BBC Woman’s Hour wirft täglich aus weiblicher Perspektive einen Blick auf die Welt und widmet sich Themen von politischen Parlamenten und ihrer Agenda für Frauen über Gamerinnen bis zu Frauen-DJs im Corona-Lockdown.

Anekdotisch: Selbst Unternehmen sind schon auf das Thema eingestiegen: Sophia Amoruso gründete 2006 das Modeunternehmen „Nasty Gal“ und stieg zur millionenschweren Unternehmerin auf. Im Podcast Girlboss kommen andere Frauen zu Wort, die in der Wirtschaft durch die gläserne Decke gestoßen sind und als Unternehmerinnen ihr eigenes Ding machen.
 

Über Polizeigewalt und Rassismus

„I can’t breathe“ ist der Satz, der im Sommer nicht nur die USA aufwühlte. Dass Polizeigewalt gegen Afroamerikaner dort zum Alltag gehört, ist längst kein Geheimnis mehr. Doch auch in Deutschland sind struktureller Rassismus und Polizeigewalt jetzt endlich ein Thema – die Podcastwelt beschäftigt sich allerdings schon länger damit:

Unterhaltsam: Autorin Alice Hasters spricht schon seit 2016 mit Schauspielerin Maxi Häcke in Feuer und Brot über Alltagsrassismus, Blackface, warum selbst Computerprogramme rassistisch sein können und lassen auch das Attentat von Hanau nicht unkommentiert. Seit 2018 machen die Journalistinnen Minh Thu Tran, Vanessa Vu und Linh Tran in ihrem Podcast Rice and Shine die Perspektive von vietnamesischen Mitbürgern in Deutschland sichtbar und entdecken gemeinsam mit ihren Hörern gesellschaftliche, politische und kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

Anekdotisch: Die Antirassismustrainerin Tupoka Ogette hält seit 2012 Vorträge und Workshops zum rassistisch kritischen Denken in ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich. Im März dieses Jahres startete sie den Tupodcast – Gespräche unter Schwestern und lädt dort regelmäßig andere schwarze Frauen ein, um über Rassismus und Sexismus zu sprechen und mit welchen Strategien sie diesen Diskriminierungen begegnen. Er gibt den Geschichten nicht nur eine Bühne, sondern sensibilisiert dafür, wie vielfältig und vermeintlich unauffällig Rassismus daherkommt.

Journalistisch: Der WDR guckt in seinem Podcast Oury Jalloh dahin, wo es wehtut: Auf den ungeklärten Todesfall des afrikanischen Asylbewerbers, der 2005 in Polizeigewahrsam starb. In fünf Episoden thematisiert der Podcast das Polizei- und Justizversagen bei der Aufklärung von Jallohs Tod.

Groß angelegte Sensibilisierung und Aufklärung zum Thema Rassismus betreibt die New York Times mit ihrem Projekt 1619, zu dem auch ein gleichnamiger Podcast gehört. Moderatorin Nikole Hannah-Jones erzählt die Geschichte der Sklaverei vom ersten Schiff aus Afrika, das 1619 an der US-Küste festmachte, bis zu ihren Folgen in der Gegenwart. Journalistin Taylor Hom und ihr Partner Neil Shea spüren Amerikas Vergangenheit mit Lynchmorden indes in ihrem Podcast Unfinished: Deep South anhand eines ungeklärten Mordfalls von 1954 nach.

Wie verwurzelt und vertrackt struktureller Rassismus in den USA ist, entlarvt Journalistin Chana Joffe-Walt in der Serial-Produktion Nice White Parents: Die fünfteilige Serie erklärt, wie „nette weiße Eltern“ mit guten Absichten für die Bildung ihrer Kinder, aber ohne Verständnis für schwarze Communities bis heute das staatliche Schulsystem der USA torpedieren und damit zur Rassentrennung und Diskriminierung beitragen.