Hey, Sie! Wollen wir uns nicht duzen?

Über die Wirkung und Haltung von Anreden.

Hey, Sie! Wollen wir uns nicht duzen?

„Sollen wir deinen Podcast hosten? Oder würden Sie es bevorzugen, wenn wir uns förmlichst um die Bereitstellung Ihres wertgeschätzten Audioserienprodukts für einen internetaffinen Hörerkreis kümmerten?“
Die richtige Ansprache von bestehenden und potenziellen Kundinnen und Kunden ist für jedes Unternehmen eine Herausforderung. Aber ihr kennt uns: Herausforderungen sind da, damit wir uns ihnen stellen!

Über die passende Ansprache im Geschäftsumfeld macht sich vermutlich alle Unternehmerinnen und Unternehmer irgendwann mal Gedanken – zumindest sollten sie das. Die erste große Frage bei der Entwicklung jeder Corporate Language ist mit großer Wahrscheinlichkeit: „Duzen oder Siezen?“

Was fällt dir ein, mich zu siezen?

Wo ein Du in manchen Situationen übergriffig wirken und eine fast bedrohliche Nähe schaffen kann, hält uns das Sie förmlich auf Abstand von unseren Gegenübern. Genauso gut gilt das aber auch andersherum: Während wir duzenderweise Distanz abbauen, um einladend und offen zu wirken, kann Siezen unserem Respekt Ausdruck verleihen, den wir einer Person gegenüber empfinden. Auf die Frage „Du oder Sie“ gibt es keine richtige und keine falsche Antwort, sondern nur Wirkung und Haltung.

Für uns ist die Antwort trotzdem eindeutig: Podcasts sind ein Medium, das wie kein zweites Nähe schafft. Produzierende und Hörende könnten kaum enger verbunden sein. Ganz besonders dann, wenn Podcasts über Kopfhörer konsumiert werden – am Ende vielleicht sogar maximal intim per In-Ear-Stöpsel direkt im Kopf. Wenn wir selbst Podcasts hören, möchten wir oft am liebsten mit in der Gesprächsrunde sitzen und uns an der Diskussion beteiligen. Siezen würde dabei Distanz an einer Stelle schaffen, wo unserer Meinung nach absolut keine hingehört.

Du, Sie, Ihr?

Freilich ist ein solches Thema auch ein Stück weit Geschmackssache – ebenso wie die Frage, ob Podcasterinnen und Podcaster ihr Publikum in Einzahl oder Mehrzahl ansprechen sollten: Die einen wollen von den Sprechenden so direkt wie möglich adressiert werden, mit einem Du und in der Einzahl. Andere bevorzugen es, als Hörer in einer anonymen Masse unterzutauchen und eher distanziert mit einem unpersönlichen Mehrzahl-Sie angesprochen zu werden. Bei vielen bildeten sich diese Präferenzen schon während der Schulzeit, wo der „Hoffentlich ruft er mich nicht auf“-Kapuzen-über-den-Kopf-Zieher stets versuchte, sich hinter dem „Herr Lehrer, Herr Lehrer! Hier, ich! Ich weiß es!“- Klassenprimus zu verstecken.

Für Sie immer noch Du!

Warum für uns auch im Geschäftsumfeld das Du vollkommen normal ist: Wir sind der Überzeugung, dass unser Verhalten und unsere Art, wie wir mit Menschen umgehen, sehr viel mehr über unseren Respekt und unsere Höflichkeit aussagt, als es eine Anrede jemals könnte. Oder anders ausgedrückt: Wir kennen Leute, die durch ihr Verhalten auch einem Sie jeglichen Respekt entziehen – ebenso wie Menschen (zu denen wir uns gerne selbst zählen!), die Anderen mit einem Du sehr wohl höflich, zuvorkommend und auf Augenhöhe begegnen.

Das ist ein klein wenig wie beim Gendern: Ja, wir versuchen stets, auch durch Sprache zu verdeutlichen, dass wir niemanden aufgrund seines oder ihres Geschlechts ein- oder ausschließen möchten – und wenn uns doch mal ein generisches Maskulinum rausrutscht, so dürft ihr uns gerne glauben, dass er auch genau das ist: generisch. Wenn wir eine solch geschlechterneutrale Einstellung im Alltag leben, muss unsere Sprache vielleicht nicht unbedingt und immer wieder darauf hinweisen. Genauso halten wir es mit dem Dialog mit unseren Mitmenschen: Solange wir Respekt durch unser Handeln zum Ausdruck bringen, können wir im Umgang mit unseren Mitmenschen die aufgesetzten, antiquierten Floskeln auch einfach weglassen.

Andere Länder, Andere siezen.

Wir gucken ja schon auch ein bisschen neidisch ins Vereinigte Königreich und die ebenso Vereinigten Staaten, wo es derlei Probleme gar nicht erst gibt. Wie sprechen sich die Leute dort in Einzahl und Mehrzahl ebenso höflich wie salopp an? Mit You, You, You und You. Und würdet ihr auf die Idee kommen, dem durchschnittlichen Klischee-Engländer Unhöflichkeit vorzuwerfen? Most definitely not!

Lasst uns das hier nochmal klarstellen – in einem ZL;NG, wenn ihr so wollt: Wir finden, Höflichkeit und Respekt haben nichts mit Anrede-Konventionen zu tun, die aus dem Mittelalter stammen. Genauso gebieten es aber Höflichkeit und Respekt, dass wir auf unsere Mitmenschen Rücksicht nehmen: Falls du also lieber gesiezt werden willst – dann sagen Sie uns einfach Bescheid und wir werden in unserer zukünftigen Kommunikation mit Ihnen darauf achten.

Wir verbleiben höflichst
euer Team von Podigee